KleistparkDer Kleistpark (korrekt Heinrich-von-Kleist-Park) ist eine denkmalgeschützte Grünanlage im Norden des Bezirks Schöneberg.

Hervorgegangen ist dieses Anlage entlang der Potsdamer Straße aus dem ehemaligen Botanischen Garten Berlin, der nun seit über 100 Jahren in Steglitz beheimatet ist.
Der Kleistpark verdankt seine Entstehung einer Reihe von historischen Verkettungen, die ihren Ursprung im alten Stadtkern von Berlin nahm.
1679 wurde die Festung Berlin um eine neue Bastion erweitert. Dafür musste der Schloss- und Apothekengarten am Lustgarten weichen. Der Große Kurfürst ordnete an, dass im nahe gelegenen Dorf Schöneberg ein Ersatz zu schaffen sei. Also ließ der Hofbotaniker und Naturwissenschaftler Elsholtz einen ehemaligen Hopfengarten zum neuen Hof- und Küchengarten umfunktionieren. Gleichzeitig begann die Anlage eines landwirtschaftlichen Mustergartens, den man ab 1718 als „Botanischen Garten“ bezeichnete. Ab 1801 wurde die Anlage auf über 7 Hektar erweitert und konsequent als Schau- und Lehrgarten im heutigen Sinne genutzt. Der berühmteste „Aufseher“ war wohl der Botaniker und Dichter Chamisso, der auf dem Grundstück in der sogenannten Chamissolaube“ wohnte und dichtete.
Es gab ein Palmenhaus, wie es um die Mitte des 19. Jahrhunderts in Mode kam, dazu ein Seerosen-Schauhaus, indem die Victoria regia zu bestaunen war. In der heutigen Grunewaldstraße war das Königlich Botanische Museum untergebracht, das noch heute als Kunsthaus existiert.

KleistparkMit dem ungebremsten Städtewachstum und der Verteuerung des Baugrundes war das Schicksal des Botanischen Gartens in Schöneberg besiegelt. Zwischen 1899 und 1910 wurde der Garten auf ein weitaus größeres Areal in Dahlem umgesiedelt, wo er sich noch heute befindet.
Danach war eigentlich vorgesehen, die Parkfläche komplett zu bebauen, was durch verschiedene Bürgerinitiativen verhindert werden konnte. Der Park wurde anlässlich des 100. Todestages von Heinrich von Kleist nach dem Dichter umbenannt, auf die Hälfte seiner Fläche verkleinert und nochmals umgestaltet, da dann auch noch das wuchtige Preussische Kammergericht dort erbaut wurde. In diesem Kammergericht tagte 1944 der berüchtigte Volksgerichtshof, in dem der Blutrichter der Nazis, Roland Freisler, die Attentäter und Verschwörer des 20. Juli 1944 zu hohen Haft- oder Todesstrafen verurteilte. Eine Hinweistafel an den Kolonnaden erinnert daran.

Die Königskolonnaden
Diese ursprünglich ganz woanders lokalisierten Sandsteinkolonnaden bilden den repräsentativen Zugang zum Kleistpark von der Potsdamer Straße aus. Dem aufmerksamen Besucher fällt sofort auf, dass diese Säulengänge weder stilistisch noch funktional an die Potsdamer Straße, den Kleistpark oder das Kammergericht passen.
Auf Anordnung des Alten Fritz schuf der Architekt Gontard zwischen 1770 – 1780 die Kolonnaden als ergänzendes architektonisches Element zur sehr repräsentativen Königsbrücke, die über den Festungsgraben zur königlichen Residenz führte. Der Festungsgraben wurde im Zuge der Stadtbahnerweiterung zugeschüttet, die Brücke abgerissen und die Königsstraße in Rathausstraße umbenannt. Die Kolonnaden wurden dann etwa 1910/1911 abgetragen und am Kleistpark wieder aufgebaut.

Seit 2002 findet dort jeden Sommer das Musikfestival „Jazz an den Kolonnaden“ statt.

Fotos und Text: © Lars Mielke

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