Die Hufeisensiedlung

Die Hufeisensiedlung im Ortsteil Britz wurde zwischen 1925 und 1930 im Auftrag der GEHAG nach den Plänen des Stararchitekten Bruno Taut errichtet.

hufeisen

Hintergründe und Ausgangslage der Großsiedlungen

HufeisensiedlungDie Hufeisensiedlung war der deutsche Einstieg in den Großsiedlungsbau. Mit solchen Bauvorhaben versuchte man den drängendsten Problemen der Verstädterung zu begegnen: Bevölkerungs- und Verkehrswachstum bei gleichzeitigem Platzmangel. Das Leben in den berüchtigten Mietskasernen der Großstadt führte zur Herausbildung einer großen Unterschicht und sozialen Spannungen. Nicht umsonst hieß es bei Heinrich Zille, dem Beobachter des Berliner Milieus: Man kann mit einer Wohnung einen Menschen ebenso erschlagen wie mit einer Axt.

Bereits seit der Gründerzeit gab es von staatlicher aber auch bürgerlicher wie gesellschftlicher Seite Bestrebungen, das Elend in den Mietskasernen abzumildern. Durch die Bismarcksche Sozialgesetzgebung und die Erleichterungen der Baufinanzierung standen ihnen alle Möglichkeiten offen, sozialen Wohnungsbau zu betreiben und sich von Spekulanten und Kapitalgesellschaften zu lösen.
Moderne Architekten und Stadtplaner wie die Gebrüder Taut, Martin Wagner und Andere versuchten das Problem auf der konzeptionellen und baulichen Ebene anzugehen.
Investoren und Bauherren solcher Projekte waren meistens Genossenschaftlich organisierte Baugesellschaften, wie die GEHAG (Gemeinnützige Heimstätten Aktiengesellschaft). In Berlin entstanden auf diesem Wege eine ganze Reihe bedeutender Großwohnsiedlungen wie Carl Legien, die Siemensstadt oder Falkensee. Als städtebauliches Paradigma sollte der soziale Wohnungsbau in Berlin bis in die 1980er Jahre erhalten bleiben.

Lage und Standort

Die gesamte Siedlung erstreckt sich in 6 Bauabschnitten auf einer Fläche von 29 Hektar (denkmalgeschützer Bereich) um das Strassenkreuz Parchimer Allee / Fritz-Reuter-Allee.
Zentrum und Namensgeber ist das sogenannte Hufeisen – ein Gebäudekomplex am Lowise-Reuter-Ring, der aus der Luft tatsächlich wie ein Hufeisen aussieht.
Zu erreichen ist die Siedlung über die U-Bahnhöfe Parchimer Allee und Blaschkoallee der Linie U7 sowie der Buslinie M46 (Zoologischer Garten-Britz Süd).

Zahlen und Fakten

2008 wurde die Hufeisensiedlung in das UNESCO Weltkulturerbe aufgenommen, nachdem sie schon Jahre zuvor den Denkmalstatus erreicht hat.
Die Reihenhäuser beherbergen 679 Wohneinheiten mit Garten. Jede Wohneinheit (selbst das Hufeisen) sollte mit einem Garten ausgestattet sein. Hieran erkennt man den Einfluss der Gartenstadt-Bewegung, wobei Bruno Taut für sich einen eher unromantischen Zugang dazu gefunden hat.
Dazu wurden 1285 Wohngeschossbauten errichtet.
Jeder Straßenzug, der nach Personen in den Romanen Fritz Reuters benannt wurden (z.B. Onkel Bräsig Strasse), erhielt ein eigenes Farbkonzept. Die originelle und durchdachte Farbgestaltung ist einer der Schwerpunkte und Tauts Arbeiten.

In der gesamten Siedlung wohnen heute ca. 3100 Menschen.

Reportage und Fotos: Lars Mielke

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