Nicht weit vom Grunewaldturm und der Halbinsel Schilddorn entfernt ist der Selbstmörderfriedhof ein schaurig schönes Ausflugsziel. „Selbstmörderfriedhof“ oder „Friedhof der Namenlosen“ wurde der Friedhof genannt, weil hier Selbstmörder ihre letzte Ruhestätte fanden, die im 19. Jahrhundert nicht auf kirchlichen Friedhöfen beerdigt werden durften. Selbstmord galt damals als Todsünde. An der Halbinsel Schildhorn wurden seinerzeit hin und wieder Wasserleichen angeschwemmt, die den Oberförster vor das Problem der „Entsorgung“ stellten.

Die Möglichkeit, hier Selbstmörder zu beerdigen, sprach sich schnell herum. Die älteste bekannte Eintragung berichtet von der Beerdigung eines 22jährigen Schlossergesellen am 22. Januar 1900. Dienstmädchen, die von ihren Dienstherren geschwängert wurden und keinen anderen Ausweg sahen, als sich umzubringen, aber auch viele andere Schicksale brachten Menschen dazu, sich das Leben zu nehmen. Hier konnten sie einigermaßen würdig beerdigt werden.

Der Oberförster Willi Schulz, der damals den Selbstmörder Friedhof anlegte, hat heute dort ein Ehrengrab. Offensichtlich wurde er nur 47 Jahre alt. Die Todesursache ist nicht bekannt. Auf dem Grabstein steht lapidar „Jagd vorbei!“

5 russische Holzkreuze mit kyrillischen Inschriften erinnern an den Tod von fünf zarentreuen Russen, die sich 1917 nach einer Niederlage das Leben nahmen. Die Kreuze sind offensichtlich restauriert worden, was ihnen etwas Authentizität raubt.

Eine Ecke des Friedhofs ist unbekannten Kriegsgefallenen gewidmet. Später wurden auch auf natürlichem Weg Verstorbene hier beerdigt.

Das prominenteste Grab ist wohl das von Nico, der Velvet Underground Sängerin, die hier 1988 neben ihrer Mutter Margarete Päffgen beerdigt wurde. Der bürgerliche Name von Nico lautete Christa Päffgen. Noch heute pilgern hier Fans her, die Blumen, Fotos oder andere Gedenkstücke auf dem Grab ablegen.

Seit 2018 gab es hier keine Bestattungen mehr. 20 Jahre nach der letzten Bestattung kann ein Friedhof „entwidmet“ werden, d.h. der Platz kann dann für einen anderen Zweck verwendet werden.

Hunde sind auf dem Friedhof offiziell nicht erlaubt und müssen draussen bleiben.

Adresse: Im Jagen 135/ Schildhornweg 33
(In der Nähe des Schildhornwegs und der Halbinsel Schildhorn)

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