„Cassirer und der Durchbruch des Impressionismus“ in der Alten Nationalgalerie
Paul Cassirer war einer der bedeutendsten deutschen Kunsthändler, Verleger und Galeristen des frühen 20. Jahrhunderts. Wenn man so will, war er der Mann, der die moderne Kunst nach Deutschland brachte.
Die Alte Nationalgalerie in Berlin widmet ihm aktuell eine große Sonderausstellung. Sie läuft vom 22. Mai bis zum 27. September 2026. Der Anlass für diese Schau ist ein doppeltes Jubiläum: Zum einen jährt sich der 100. Todestag von Paul Cassirer (er starb im Januar 1926), zum anderen feiert das Gebäude der Alten Nationalgalerie selbst sein 150-jähriges Bestehen.
Paul Cassirer eröffnete zusammen mit seinem Cousin Bruno im November 1898 ihren Salon mit einer spektakulären Ausstellung, die Berlin so noch nicht gesehen hatte. Das Programm war radikal: Statt dunkler Historien-Schinken zeigten sie Werke der französischen Impressionisten. Beide waren Mitte 20, als sie beschlossen, das Berliner Kulturleben aufzumischen. Die Gründung des Kunstsalons war von Anfang an politisch. Wenige Monate zuvor (im Mai 1898) hatten sich moderne Künstler um Max Liebermann und Walter Leistikow zur Berliner Secession zusammengeschlossen. Paul und Bruno Cassirer wurden auf Vorschlag von Liebermann zu den geschäftsführenden Sekretären der Secession ernannt.
1901 kam es zum monumentalen Krach zwischen Bruno und Paul Cassirer. Paul Cassirer übernahm den Kunstsalon allein und führte ihn ab 1901 unter dem Namen „Kunstsalon Paul Cassirer“ weiter.
Die Ausstellung in der Alten Nationalgalerie blickt hinter die Kulissen des Kunstbetriebs um 1900. Sie zeigt nicht einfach nur schöne Bilder, sondern erzählt die Geschichte, wie diese Bilder überhaupt nach Deutschland kamen. Paul Cassirer wird hier als visionärer Vermittler zwischen Künstlern, dem Markt und der Öffentlichkeit gewürdigt. Er hat mit seinen hunderten Ausstellungen den Geschmack einer ganzen Epoche revolutioniert und leidenschaftliche Debatten in der Öffentlichkeit entfacht.
Die Schau zeigt über 100 herausragende Werke des Impressionismus und der klassischen Moderne. Das Besondere ist die dichte Versammlung von Weltklasse-Künstlern, die Cassirer damals nach Deutschland holte oder hier förderte:
Die französischen Pioniere: Edgar Degas, Paul Cézanne, Édouard Manet, Claude Monet, Auguste Renoir und Vincent van Gogh. Viele der gezeigten Schlüsselwerke fanden erst durch Cassirers Vermittlung den Weg in deutsche Museen und auch in den Bestand der Nationalgalerie selbst.
Aus Deutschland: Max Liebermann, Lovis Corinth und Max Slevogt (inklusive der „Suse Cassirer“, über die wir gesprochen haben).
Cassirer blickte weit voraus. Die Schau zeigt, dass er auch Wegbereiter der klassischen Moderne wie Edvard Munch und den Bildhauer August Gaul unterstützte sowie spätere Expressionisten wie Ernst Barlach, Ernst Ludwig Kirchner und Oskar Kokoschka in sein Galerieprogramm aufnahm.
Die Ausstellung wird von Josephine Klinger kuratiert, mit Co-Kuratorin und Projektleiterin Franziska Lietzmann. Um Platz für diese riesige Schau zu machen, wurde im Vorfeld sogar das gesamte zweite Ausstellungsgeschoss der Alten Nationalgalerie für einen Monat geräumt und komplett umgestaltet.
Wer sich für die Geburtsstunde der modernen Kunst in Deutschland interessiert, für den ist diese Schau auf der Museumsinsel Pflichtprogramm.
Die Alte Nationalgalerie ist Dienstag – Sonntag von 10:00 – 18:00 Uhr geöffnet. Montag ist geschlossen (Ausnahme: Sonderöffnung am Pfingstmontag 25.05.2026!)
Sie erreichen die Alte Nationalgalerie mit den öffentlichen Verkehrsmitteln:
U-Bahn: Museumsinsel
S-Bahn: Friedrichstraße, Hackescher Markt
Tram: Am Kupfergraben, Hackescher Markt
Bus: U Museumsinsel

