10 Jahre Museum Barberini: Die Impressionisten. Monet, Morisot, Renoir und ihr Netzwerk
Anlässlich seines 10jährigen-Jubiläums widmet das Museum Barberini in Potsdam dem Impressionismus eine spektakuläre Ausstellung. Der Fokus liegt dabei auf einem Aspekt, der lange im Schatten der ästhetischen Betrachtung stand: Den Netzwerken, Verbindungen und der gesellschaftlichen Sprengkraft, die hinter der Geburt der modernen Kunst stecken.
Wenn wir heute vor den flimmernden Seerosen von Claude Monet oder den tanzenden Sonnenstrahlen von Auguste Renoir stehen, empfinden wir meist Ruhe, Schönheit und Ästhetik. Doch als die Impressionisten in den 1870er-Jahren in Paris die Bühne betraten, glich ihre Kunst einer Revolution.
Kunst als Social Network
Die Jubiläumsausstellung im Museum Barberini räumt gründlich mit dem Klischee eines einsamen Genies, das abgeschieden an der Staffelei arbeitet, auf. Der Impressionismus war vor allem das Produkt einer extrem gut vernetzten Gemeinschaft. Künstlerinnen und Künstler wie Monet, Pissarro, Degas, Renoir, Berthe Morisot und Mary Cassatt bildeten eine enge Allianz. Sie gründeten 1874 die Société anonyme des artistes peintres, sculpteurs, graveurs, um den starren Kontrollmechanismen des offiziellen Pariser Salons zu entkommen.
Die Ausstellung zeigt eindrucksvoll die gegenseitige Unterstützung der Künstlerbewegung. Die Künstler trafen sich in Cafés wie dem Café Guerbois oder dem Café de la Nouvelle Athènes, diskutierten mit Schriftstellern wie Émile Zola, Kritikern und Kunstsammlern.
Sie unterstützten sich gegenseitig durch gemeinsame Verkäufe, Tauschartikel und gegenseitige Porträts.
Der Impressionismus war die Antwort auf die Industrialisierung, den Ausbau der Eisenbahnnetze und die Neugestaltung von Paris durch Baron Haussmann. Die Leinwände fingen das rasante Tempo der Epoche ein: Dampflokomotiven, belebte Boulevard-Cafés, Segelboote in Argenteuil und das aufkommende Freizeitverhalten des Bürgertums.
Die Abkehr vom staatlich dominierten Salon-System leitete die Geburtsstunde des modernen Galerie- und Händlersystems ein. Pionier-Händler wie Paul Durand-Ruel erkannten früh das Potenzial der Impressionisten und schufen weltweite Netzwerke (bis nach Nordamerika), die den Erfolg der Bewegung überhaupt erst sicherten.
Frauen spielten in den Netzwerken des Impressionismus eine tragende Rolle. Künstlerinnen wie Berthe Morisot, Mary Cassatt und Eva Gonzalès nutzten die Bewegung, um sich Raum in einer stark patriarchalisch geprägten Kunstwelt zu erkämpfen. Die Ausstellung hebt ihren Beitrag zu den Netzwerken und Ausstellungen gebührend hervor.
Die Schau gliedert sich in 10 verschiedene Themenräume. Jedes Thema hat ein Bild der eigenen Sammlung Hasso Plattner zum Ausgangspunkt und erzählt um das Thema des Bildes herum eine Geschichte, die mit diesem Bild verbunden ist.
So geht es zum Beispiel um das Thema Freundschaft und Kollektiv. Gemeinsame Mal Sessions im Freien, das Teilen des Ateliers, Briefwechsel oder Portraits untereinender.
In einem anderen Raum geht es um die Rolle der Sammler, Kritiker und Galeristen, die den Weg zum Erfolg bereiteten.
Die Jubiläumsausstellung im Museum Barberini zeigt den Impressionismus als dynamisches, mutiges und tief gesellschaftspolitisches Projekt. Wer die Meisterwerke in Potsdam besucht, versteht danach nicht nur die Ästhetik des Lichts besser, sondern auch den Nährboden der modernen Kunstwelt.
Begleitet wird die Ausstellung von dem Webprojekt Networks of Impressionism . Das Angebot richtet sich gleichermaßen an die internationale Forschung (als wissenschaftliches Werkzeug) sowie an die breite Öffentlichkeit und Museumsbesucher, um Kunstgeschichte digital und interaktiv zugänglich zu machen.
Die Ausstellung läuft vom 07. November 2026 bis zum 21. Februar 2027.
Öffnungszeiten:
Mo, Mi–So: 10–19 Uhr Dienstags geschlossen
Kassenschluss ist um 18:15 Uhr
Mit den öffentlichen Verkehrsmitteln erreichen Sie das Museum Barberini entweder zu Fuß ab Potsdam Hauptbahnhof (ca. 700m)
Vom Hauptbahnhof den Ausgang Richtung Innenstadt/Lange Brücke nehmen, die Lange Brücke über die Havel überqueren und direkt zum Alten Markt laufen. Das Museum Barberini befindet sich direkt am Platz neben dem Landtag Brandenburg.
Wenn Sie nicht laufen möchten, fahren vom Hauptbahnhof fast im Minutentakt Bahnen und Busse bis direkt vor das Museum. Die Zielhaltestelle heisst Potsdam, Alter Markt/Landtag (nur 1 Station vom Hbf entfernt, ca. 2–4 Minuten Fußweg zum Museum)
Tram-Linien: 91, 92, 93, 96, 98, 99
Bus-Linien: 605, 631, 650, X15 u.a.
Museum Barberini
Alter Markt
Humboldtstraße 5–6
14467 Potsdam

